Allgemeines

Ein Passivhaus weist einen spezifischen Heizwärmebedarf (Energie-kennzahl) gemäß PHPP (Passivhaus-Projektierungspakt) von maximal 15 kWh/m²a (entspricht etwa 10 kWh/m²a nach OIB Richtlinie 6) bei einer Raumtemperatur von 20 °C auf. Dieser sehr gute Energiestandard wird erstens durch möglichst kompakte, sonnenorientierte, wärmebrückenfrei gedämmte Bauweise und zweitens durch eine kontrollierte Be- und Entlüftung mit effizienter Wärmerückgewinnung erreicht.

Der äußerst geringe Heizwärmebedarf kann auf verschiedene Arten gedeckt werden. Bei Einhaltung des zweiten Kriteriums, einer spezifischen Heizlast von maximal 10 W/m²a, kann die benötigte Wärme von einer Kleinstwärmepumpe erzeugt und über das Lüftungssystem in die einzelnen Räume verteilt werden. Ist die Heizlast größer als 10 W/m²a, kommen ergänzende Systeme zur Restwärme-bedarfsdeckung zum Einsatz oder es werden konventionelle Heizsysteme verwendet.

Aufgrund der hohen Oberflächentemperatur der umschließenden Bauteile, dem permanenten Luftaustausch und der kontrollierten Abfuhr von Feuchte und Gerüchen bieten Gebäude im Passivhausstandard eine unübertreffliche Behaglichkeit bei gleichzeitig geringsten Energiekosten. Die staubarme, kondensat-, schimmel- und pollenfreie Luft ist nicht nur für Allergiker von großem Nutzen. Konzentrations-fähigkeit und Wohlbefinden steigen messbar.

Entstehung des Passivhauses

Das Passivhaus ist eine konsequente Weiterentwicklung des Niedrigenergiehauses (NEH). Seine Wurzeln reichen bis in die zweite Hälfte der 1980er Jahre zurück, als am damaligen Institut „Wohnen und Umwelt“ in Darmstadt unter der Federführung von Professor Dr. Wolfgang Feist erste technische Versuche in einen derart konsequenten Baustandard unternommen wurden. Im Rahmen eines Forschungsaufenthaltes 1988 in Lund/Schweden vertiefte Feist die Arbeiten gemeinsam mit seinem Gastprofessor Bo Adamson. Da in Schweden und Dänemark bereits seit Mitte der 1980er Jahre das Niedrigenergiehaus gesetzlich geforderter Standard war, konnte hier auf Basis praxisbezogener Grundlagen und Erfahrungen gearbeitet werden.

1991 wurde in Darmstadt-Kranichstein das erste Passivhaus von seinen Bewohnern bezogen. Das Pilotprojekt konnte mit Hilfe öffentlicher Unterstützung zum Beispiel des Landes Hessen sowie der Stadt Darmstadt in Angriff genommen werden. Es konnte zum ersten Mal das Zusammenwirken unterschiedlichster, aus dem NEH-Standard weiterentwickelter Einzelkomponenten im Praxiseinsatz getestet werden. Schon schnell wurde klar, dass sämtliche Zielvorgaben bei weitem erreicht werden. Seither erfreuen sich die vier Familien an geringsten Energiekosten, bei gleichzeitig höchstem Wohnkomfort.

Der in Darmstadt erfolgte Praxisbeweis über die Realisierbarkeit des Passivhausstandards gilt als Startschuss für die Passivhaus-Entwicklung. Inzwischen wurden weltweit geschätzte 10.000e Passivhäuser realisiert. Alleine für Österreich gibt es inzwischen mehrere tausend realisierte Projekte.

Besonders bemerkenswert ist die Tatsache, dass der Passivhaus-Standard inzwischen weit über das klassische Einfamilienhaus hinausgeht. So werden heute sowohl Mehrgeschoßwohnbauten, Büro- und Verwaltungsgebäude, Industrieanlagen oder auch Sakralbauten im Passivhausstandard realisiert.

Einzelne Städte, Gemeinden oder Bundesländer haben bereits für sämtliche ihrer Neubauten den Passivhausstandard als verpflichtenden Baustandard festgeschrieben

Komfort und Behaglichkeit

  • Das Passivhaus bietet einen unvergleichlich hohen Zugewinn an Wohnkomfort und Behaglichkeit. Und dies quasi als Nebenprodukt, ganz ohne Mehrkosten! Denn jede Maßnahme, die im Rahmen einer Passivhaus-Realisierung durchgeführt wird, bringt zahllose positive „Mitnahme-Effekte“.

    Die sehr hohe thermische Qualität aller Gebäude umschließenden Bauteile bietet höchste Behaglichkeit für ihre Bewohner. Alle Außenbauteile weisen auf ihrer Raumseite annähernd Innenraum-Temperatur auf, selbst wenn es draußen frostig kalt ist. So entsteht keine Strahlungsasymmetrie und kein Kaltluftfall, selbst an den Fensterscheiben nicht. Dies ermöglicht überhaupt erst raumhohe Verglasungen mit unerwartet wohliger Oberflächentemperatur ohne Parapete für Heizkörper. Das ganze Jahr hindurch. Kondenswasser beim Glasrandverbund oder gar Schimmelbildung sind beim Passivhaus Fremdwörter – hohe Qualität hat eben viele Vorzüge. Aber nicht nur die angenehmen Oberflächentemperaturen bringen zahlreiche zusätzliche Vorteile.

    Auch die kontrollierte Raumlüftung ist ein echter Komfortgewinn. Denn die permanente Frischluftzufuhr verbessert nicht nur die Wohnqualität, sondern führt bei den Passivhaus-Bewohnern sowohl zu einer erheblichen Steigerung der Konzentrationsfähigkeit als auch zu einer erhöhten Regenerationsfähigkeit während des Schlafs.

    Verbesserung der Wohnqualität durch permanente Frischluftzufuhr

  • Erhebliche Steigerung der Konzentrationsfähigkeit am Tag
  • Bessere Regeneration während der Nachtstunden
  • Reduktion von Lärm- und Staubbelästigungen

Gesundheit

Die Komfortlüftungsanlage als „Therapie“: Nicht nur für Allergiker! Das Passivhaus bietet durch seine kontrollierte Lüftung zahlreiche Vorteile, die nicht nur denjenigen Linderung bringen, die heute schon unter Allergien leiden, sondern allen Passivhaus-Nutzern gesundheitliche Vorteile bringen.

Denn nur im Passivhaus profitiert man heute bereits von:

  • Gesunder Frischluft – frei von Schmutz, Pollen, Aerosolen, etc.
  • Keine überhöhte Luftfeuchte, die einer Durchfeuchtung, dem Milbenwachstum, der Schimmelbildung und dadurch auch Bauschäden entgegenwirkt.
  • Vermeidung von Schadstoffkonzentrationen und Gerüchen in Innenräumen, da die Komfortlüftung ständig in allen Räumen für Frischluft sorgt.
  • Keine Zugluft
  • Keine Temperaturunterschiede

Umwelt

Als Konsequenz profitiert die Umwelt und mit ihr der Mensch! Denn durch die Reduktion des Treibhaus-Ausstoßes bedeutet jedes Passivhaus aktiven Umweltschutz. Kombiniert mit einer umsichtigen Baustoffauswahl zur Optimierung der Gesamtenergiebilanz eines Hauses ist das Passivhaus gelebte Nachhaltigkeit. Tag für Tag.

Das Passivhaus

  •  hilft damit bei der Vermeidung von unbezahlbaren Folgekosten aufgrund des CO2 bedingten Klimawandels,
  • ist ein aktiver Beitrag zur Erzielung von Klimaschutz-Verpflichtungen und
  • führt dadurch zur Unabhängigkeit von fossilen Energieträgern

Wirtschaftlichkeit

Für die Wirtschaftlichkeit sind drei Faktoren verantwortlich:

  • Abkoppelung von der rasanten Energiepreisentwicklung
  • Minimale Mehrkosten im Verhältnis zur Energieeffizienz- und Qualitätssteigerung gegenüber konventionellen Bauten
  • Zum anderen gewähren die Bundesländer für Passivhäuser die höchsten Förderunterstützungen auf Grund der positiven sozialen, klimaschonenden und volkswirtschaftlichen Vorteile.